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6.9.2010 : 17:27 : +0200

Salon der Musen

Salon der Musen

Der Salon gehört zu den faszinierendsten Erscheinungen der europäischen Geistesgeschichte und kann in seiner historischen gesellschaftlichen Bedeutung bis heute kaum überschätzt werden. Als wesentlich von Frauen initiierter und gestalteter Raum einer vielseitigen Geselligkeitskultur symbolisiert der Salon zugleich ein zentrales Kapitel weiblicher Kulturgeschichte mit einer spezifischen Wechselwirkung zwischen gesellschaftlicher Marginalisierung und Wirkungsmächtigkeit von Frauen in den jeweiligen historischen Epochen: "Im Mittelpunkt stand stets die Dame".

 

Zwar ist der Begriff "Salon" erst seit dem 17. Jahrhundert in Frankreich in Gebrauch (Diderot), doch reicht seine Tradition bis in die Antike zurück. Die Symposien um die großen Hetären im alten Athen, die "Cours d' amours" des höfischen Mittelalters, die Musenhöfe der italienischen Renaissance, die "Bureaux d' esprit" mit den großen Salonieren der französischen Aufklärung, die Tafelrunden und Tischgesellschaften der Klassik und Romantik, die liberalen literarischen Teegesellschaften der Berliner Jüdinnen im 19. Jahrhundert, die Prager oder Wiener Künstlerinnentreffs, die Salons der Pariser "Left-bank-Szene" in der beginnenden Moderne: sie alle boten einen Freiraum für geselligen Umgang, erotisches Vergnügen, künstlerischen Austausch, philosophisches und politisches Gespräch.

Der Geist, die Bildung, der Witz der Gastgeberin, ihre Gesprächskunst und die besondere Atmosphäre ihrer Räumlichkeiten zogen Gäste aus verschiedensten Kreisen und Ländern an. Von der Aristokratie und vom höfischen Leben herkommend entwickelte sich der Salon bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zu einem von offiziellen Institutionen sich zunehmend emanzipierenden Ort, in dem offene Umgangsweisen und Lebensformen, Toleranz, ja auch oppositioneller Sinn walten konnten. Im deutschen Kaiserreich hingegen, Ende des 19. Jahrhunderts erstarrte der Salon schließlich zum Repräsentationsraum für das höhere Beamtentum.

Ob es d e n Salon heute noch gibt, ist nicht geklärt. Nach dem 2. Weltkrieg hat sich in Großstädten wie München und seit den 90er Jahren auch in Berlin, vornehmlich im Osten der Stadt, wieder eine Salonszene entwickelt, die zeigt, daß zumindest der Traum vom Salon unsterblich ist.

Worin bestand und besteht das Faszinosum des Salons? Mit der historischen Seite des Salons war stets auch eine utopische Dimension verknüpft: der Salon als geschützter und zugleich offener herrschaftsfreier Gesprächsraum, in dem Menschen diszipliniert, aber doch frei und heiter über nationale, religiöse, wirtschaftliche, fachliche, Generations- und Geschlechter-grenzen hinweg miteinander sprechen, streiten, genießen, Kunst treiben, ja neue Lebensformen erproben können.

Programmgestaltung

Die in sich geschlossenen musikalisch-literarischen Programme, sind ebenso künstlerisch anspruchsvoll wie wissenschaftlich fundiert und werden zugleich mit einer unterhaltsamen Moderation oder als Kammerinszenierung präsentiert.

Der Salon der Musen wird inszeniert und dargeboten

von Ulrike Müller (Weimar): Texte und Tastenintrumente
und Antje Finkenwirth (Berlin): Gesang, Texte